Prävention statt Depression: Ursachenanalyse als Perspektive

Ein Interview mit Tomek Labno, Geschäftsführer von Winner/s Edge (Schweiz) AG

Fokus Forsorge, Ausgabe Dez25/Jan26 – Hier gehts zum Interview

Das veröffentlichte Interview bietet einen kleinen Einblick in die vielen Themen, die im Gespräch angesprochen wurden. Hier finden Sie zusätzliche Informationen und praktische Hinweise rund um das Betriebliche Gesundheitsmanagement und zur Psychischen Gesundheitsanalyse.

Tomek Labno, betrieblicher Mentor und diplomierter Coach bei Winner’s Edge, bringt dabei nicht nur fundiertes Fachwissen ein – er lebt vor, was er vermittelt: hinschauen, analysieren, Lösungen finden und Fortschritte ermöglichen.

Gesundheit

Psychische, physische und soziale Gesundheit beeinflussen sich stark gegenseitig.

Geht es mental nicht gut, ziehen sich viele Menschen aus ihrem sozialen Umfeld zurück – was das seelische Gleichgewicht weiter belastet. Gleichzeitig können psychische Herausforderungen dazu führen, dass Bewegung, Ernährung oder medizinische Betreuung vernachlässigt werden, was wiederum die körperliche Gesundheit schwächt. Und auch körperliche Beschwerden können zu sozialem Rückzug und emotionaler Belastung führen.

So entsteht ein Kreislauf, in dem sich die verschiedenen Gesundheitsbereiche gegenseitig verstärken – und das „Krankheitskarussell“ beginnt sich immer schneller zu drehen.

 

Chancen

Für viele Unternehmen wirkt die Einführung neuer Massnahmen zunächst überwältigend: Zu viele Herausforderungen treffen gleichzeitig auf zu wenig Zeit, Energie oder Ressourcen. Doch genau hier liegt eine Chance, denn eine langfristige Steigerung der Produktivität kann helfen, hohe Arbeitslasten besser zu bewältigen.

Häufig steckt hinter der Zurückhaltung die Angst vor zusätzlichem Aufwand. Das Aufdecken von Problemen verunsichert – statt als Möglichkeit zur Verbesserung gesehen zu werden.

 

Prävention

Die Investition in Mitarbeitende lohnt sich – jeder eingesetzte Franken zahlt sich langfristig aus, denn “Human Resources” sind wertvolle Ressourcen, nicht nur Arbeitskräfte.

Eine starke Unternehmenskultur schafft Anreize: Mitarbeitende erhalten die Möglichkeit, aktiv am Erfolg des Unternehmens teilzuhaben.

Leider sind es oft gerade die Firmen, die Veränderungen am dringendsten bräuchten, die Probleme lieber ignorieren.

Noch problematischer wird es, wenn BGM nur als Alibi betrieben wird, um im Geschäftsbericht gut dazustehen, ohne echte Massnahmen umzusetzen. Das führt zu Frust, obwohl Lösungen vorhanden wären.

Ursachen

Trotz des grossen medizinischen Wissens über Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten stehen wir heute vor einer noch nie dagewesenen Zahl an Belastungen. Fast 50 % aller IV-Fälle haben psychische Ursachen – und die Tendenz steigt. Unsere Gesellschaft leidet stärker denn je unter Leistungsdruck und Reizüberflutung.

Nicht nur Mitarbeitende, auch Führungskräfte fragen sich: «Kann ich den Anforderungen noch gerecht werden?» Daraus entstehen Ängste und Unsicherheit.

Prävention statt Reaktion: Viele Massnahmen können die Gesundheit erhalten und das Wohlbefinden nachhaltig stärken.

Lösungen

Der erste Schritt ist getan, sobald sich ein Unternehmen dafür entscheidet, ein BGM einzuführen.

Zunächst gilt es zu analysieren: Was wollen wir erreichen und welche Schritte bringen uns ans Ziel?

Das Ziel steht im Vordergrund – der Weg dorthin wird daran ausgerichtet. Oft sorgt schon der Aha-Effekt: Wenn es einer Person deutlich besser geht, zeigt das, dass es auch für andere möglich ist.

Nach der Wiedereingliederung sind Follow-ups entscheidend, um den Erfolg zu sichern – und bei Bedarf eine helfende Hand bereitzustellen.

Psychische Gefährdungsanalyse

Jeder weiss, das Stress nicht gut ist, aber haben wir nicht alle schon mal gehört «das ist normal», «das ist nicht so schlimm» und «das geht ja heutzutage allen so» und ähnliches?

Spannend jedoch ist, dass akuter Stress sogar messbar ist, so steigt der Blutdruck, die Muskeln spannen sich an, die Verdauung wird zurückgefahren und sogar die Pupillen weiten sich.

Dies lässt sich dadurch erklären, dass das vegetative Nervensystem auf «Kamp oder Flucht» umstellt: Umgehend werden Stresshormone wie Adrenalin freigesetzt. Dass unser Körper gleich reagiert wie auf Gefahr, sollte uns zum Nachdenken bringen. Diese Reaktionen sind nämlich nur für eine sehr kurze Dauer ausgelegt und schädigen unser System erheblich, je länger wir uns darin befinden. Schlafstörungen, Rücken- oder Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Konzentrationsschwierigkeiten und depressive Verstimmungen sind nur ein paar der Folgen durch zu hohe Stressbelastung.

Infografik

In der Nebenstehenden Grafik sehen Sie, wie ein Resultat bei einer Psychischen Gefährdungsanalyse aussehen könnte.
Grün-markiert, sehen Sie die Bereiche, welche von der Belegschaft geschätzt werden. Diese gilt es zu schützen und zu stärken!
Die Abstufungen zeihen sich entsprechend der Umfrage farblich weiter.
Rot Markierte Bereiche stellen ein hohes Risiko dar und müssen dringend überarbeitet und angepasst werden!

 

 

 

Absentismus

Das wegbleiben vom Arbeitsplatz wird schnell wahrgenommen: der Schreibtisch ist leer und die Arbeit bleibt liegen, oder muss von anderen übernommen werden. Dies führt nicht nur zu Verzögerungen, sondern auch zu erhöhtem Druck bei den restlichen Mitarbeitenden.

Präsentismus

Weniger bekannt ist dieser Begriff. Er beschreibt Mitarbeitende, die zwar am Arbeitsplatz erscheinen, aber kaum produktiv arbeiten. Ursachen können Überforderung, Schmerzen, Konzentrationsprobleme oder innerliche Kündigung sein, wodurch die Leistungsbereitschaft deutlich sinkt.

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Tomek Labno
Geschäftsführer

Telefon 078 724 24 01
tomek.labno@winners-edge.ch                Factsheet